12.06.2026

Der Radfahrer-Gruß – eine Soziologie des Nickens

Es gibt sie noch, die kleinen Rituale unter Menschen, die dasselbe tun. Motorradfahrer – obwohl der Autor sie gelinde gesagt, nur mäßig sympathisch findet – tun es: Sie grüßen sich nett. Neulich habe ich es auf dem E-Roller beobachtet. Auch hier hat sich ein freundliches Handheben scheinbar etabliert. Dass der entgegenkommender Co2-neurtrale Verkehrsteilnehmer die Hand zum Gruße hob, hatte mich so verdattert, dass ich vor lauter Verwirrung erst meinerseits grüßte, als er schon in meinem Rücken war. Sehr zur Freude einer jungen Mutter mit Kinderwagen, die das Winken auf sich bezog und dieses freudig erwiderte. Tja, aber dieses kurze Handheben, das Nicken, das kurze Lächeln, manchmal nur zwei vom Lenker gelöste Finger – wer auf zwei Rädern unterwegs ist, kennt diese stille Grammatik der Begegnung. Und doch verhält sie sich nicht überall gleich. Sie hat Dialekte, Ausnahmen und ganze Schweigegebiete.

08.06.2026

Dr. Jekyll auf dem Rennrad, Mr. Hyde im Bikepark

Es gibt eine Frage, die man sich in manchen Situationen selbst stellt: Wie viele "Ichs" gibt es eigentlich? Eine mögliche Antwort ist folgende: Es sind ungefähr so viele, wie Räder an meiner Kellerwand hängen. Denn ich habe festgestellt – und das ist keine Koketterie, sondern eine ernsthafte, beinahe beunruhigende Beobachtung: Ich bin nicht EIN Radfahrer. Ich bin ein ganzes Ensemble. Und welcher von uns die Bühne betritt, entscheidet nicht der Kopf, sondern das Rad.

03.06.2026

Schrauben als Therapie

Es gibt Orte, an die man(n) sich zurückzieht. Orte, wo die Welt da draußen nichts verloren hat. Für mich – und ich vermute, für so manchen Zehnrad-Leser – ist es der Radkeller, die heilige Werkstatt. Es ist der Ort, wo Terminkalender und To-Do-Liste keine Macht haben und dem Smartphone nur zwei Apps zugestanden werden: erstens - die Taschenlampe, wenn's mal knifflig wird und zweitens - Youtube, wenn man mal nicht weiter weiß und ein Tutorial verhindern soll, dass man allzu großen Mist baut. 

09.01.2021

2021 Welcome - Erkenntnisse und Ziele

Als Avatar kann man nicht dick werden - Teil des Erfolgsrezeptes
von Zwift?

Ein frohes neues Jahr, liebe Gemeinde. Und das ist ernst zu nehmen, denn das 2020 war alles andere als froh - so alles in allem jedenfalls. Ich will im Grunde nicht schon wieder von Corona anfangen aber wir kommen nicht drumherum. Der Mist hat das vergangene Jahr von vorne bis hinten dominiert, hat begonnen lange bevor die Radsaison so richtig losging und ist noch nicht zu Ende. Bei allem Frust sollte man aber erwähnen, was uns das ganze denn Positives gebracht hat.

07.05.2020

Das traurigste Mallorca



Leergefegt: Hier sollten eigentlich gerade Rennräder flanieren.


Mallorca klingt in den Ohren eines Radfahrers wie das Wort Elbphilharmonie für einen Konzertliebhaber. In der Tat gibt es wohl keinen Ort der Welt, der so populär bei Zweirad-Enthusiasten ist. Umso unwirklicher ist der aktuelle Blick auf die Insel: Ein surreales Abziehbild des Skurrilen.

03.04.2020

Stille Tage zu Hause


Tja, Loitz, was soll man sagen. Ach, sagen wir einfach wie es ist: Gruselig! Wäre nicht alles so tragisch, würde man die Zeit sogar quasi genießen: Die Straßen leer, es kommt kein unerwarteter Besuch, keine grölenden Menschen vorm Haus (sofern man in einem Kneipenviertel wohnt), keine Schlägereien, blauer Himmel, weniger CO2, hilfsbereite Menschen (außer den Amerikanern, die kümmern sich ausschließlich um Amerikaner) und unfassbare Ruhe.

01.04.2020

Trotz Kontaktverbot: Opa auf Tuchfühlung

Wenn Dinge nicht richtig laufen, und das über längere Zeit, herrscht allgemein eine angespannte Stimmung. Das erkennt man an sich selbst. Man ist reizbarer, weniger Stressresistent und flippt leichter aus. Das geht oft sehr zu Lasten der Mitmenschen, die, selbst angespannt, auch noch den Anderen ertragen müssen. Selbst beim Radfahren, wo man sich doch einigermaßen entspannen sollte, wirkt das Phänomen.